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26/12/2011 / Raika

Erzähl, wie war Finnland eigentlich?

Die Frage, die ich verständlicherweise in letzter Zeit öfters höre, aber bisher immer vermieden habe zu beantworten. Mit einem einfache „Anders.“ Habe ich bis jetzt jeden abgespeist. Und jedes Mal wenn ich es sage denke ich „Das ist die dümmste Antwort, die ich geben kann.“ Natürlich war es anders. Ein anderes Land, eine völlig andere Sprache, andere Menschen auf aller Herren Länder, Erasmus und viele andere Studentenaustauschprogramme. Nichts war wie es immer war. Schon allein, wenn ich an die Bäder denke. Das Leben insgesamt war eins mit vielen Abstrichen, wie viele Küchenutensilien würde man sich schon kaufen, wenn man weiß in 5 Monaten brauche ich die eh nicht mehr. Da beschränkt man sich auf das mindeste. Lädt Freunde ein mit der Bedingung selbst noch ein bisschen Geschirr mitzubringen. Fragt eigentlich immer andere nach einer Pfanne oder einem großen Topf, oder wollen wir nicht doch lieber bei euch kochen? Ich hatte Klamotten mitgenommen, die für maximal 17 Tage reichten. Ich konnte nicht einfach das anziehen, worauf ich gerade Lust hatte, ich musste erstmal den Kompromiss eingehen, dass ich nicht alles da hatte und dann -ist es überhaupt gewaschen? Echt anstrengend zu Anfang. Vielleicht habe ich auch teilweise bereut, gerade dieses Shirt nicht mitgenommen zu haben. Aber das gut dabei ist, wenn man 5 Monate quasi aus dem Koffer lebt, dann merkt man, dass gar nicht so viel nötig ist.

Zurück zu Hause habe ich erstmal meinen halben Kleiderschrank aussortiert und weggeworfen. Was soll ich mit dem ganzen Scheiß? Jetzt in Mittweida bin ich mit einem Koffer umgezogen, dazu zwei Rucksäcke. Jetzt bringe ich noch wichtige Unterlagen, meine Lehrbücher, den Drucker. Mit zwei Bahnfahrten habe ich das wieder weg. Oder einmal das Auto vollgeladen.

Zurück nach Finnland, die erste Hälfte sind wir noch viel gereist, das Wetter war gut und wir hatten eine Menge Zeit. Nach der vorlesungsfreien Woche wurden alle Dozenten hektisch mit der Angst nicht genug Bewertungsmöglichkeiten geschaffen zu haben. Sie verteilten massenhaft Assignments, mit 10-20 Seiten Umfang im Regelfall. Dazu kam eine Gruppen Präsentation und natürlich eine Prüfung. Jeder Finne, der an eine deutsche Hochschule wechselt wird wahrscheinlich ¾ seines Auslandsaufenthalts versaufen, verfeiern und verschlafen, weil er einfach nichts zu tun hat und sich langweilt.

Ich habe ein Semester lang Management studiert, ich kann keinen Kurs anrechnen lassen, davon gehe ich fest aus. Trotzdem denke ich, dass ich bei vielen Kursen, die ich belegte, sehr viel gelernt hab, das ich selbst als Medientechniker gebrauchen kann.

Dieser Text sagt natürlich immer noch nicht viel über meine Zeit in Finnland aus, aber damit konnte ich meine Gedanken besser ordnen. Wenn ihr mich das nächste Mal trefft, fragt mich einfach nochmal. (Und lasst mich nicht gehen, bevor ich was wirkliches erzählt hab.)

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One Comment

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  1. Maria / Jan 9 2012 8:31 AM

    Ich glaub die Frage “Wie war es eigentlich” nicht beantowrten zu können oder zu wollen, ist völlig normal – wie soll man auch fünf Monate oder mehr in ein Wort fassen? Oder so ausdrücken, dass man andere nicht nervt oder langweilt? Das ist schier unmöglich.
    Und dann noch der Gedanke, ob der Gegenüber es wirklich wissen will oder nur aus Höflichkeit fragt….
    Nein, wirklich beantworten kann man diese Frage nicht, jedenfalls nicht, ohne ausschweifend zu werden…
    Und “anders” find ich überhaupt keine dumme Antwort! Ob du’s glaubst oder nicht – genau das gleiche habe ich immer gesagt, als ich auch Chile wieder gekommen bin.

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