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25/11/2011 / Raika

25 Tage

Schon lange zähle ich die Monate, Wochen, Tage bis zu meinem Rückflug nach Deutschland. Großkotzig, arrogant und völlig fern der Realität habe ich mir wieder eingeredet, dass hier eh nichts anders ist. Dass ich nicht geblendet bin von dem faszinierenden ERASMUS-Erlebnissen, der fremden Kultur und den vielen verschiedenen Nationen, die ich hier auszugsweise kennen gelernt habe. Fakt ist, ich habe keine verrückten Dinge getan, weil ich hier geradezu „vogelfrei“ bin. Letztendlich konnte ich mir lange einreden, dass ich hier nicht die besten Freunde meines Lebens finden werde.

Aber trotzdem, mit diesen Menschen habe ich jetzt die letzten 96 Tage meinen Alltag verbracht. Habe mich lange genug in meinem Zimmer verkrochen, hab aber genauso mit ihnen Partys gefeiert. Ich war betrunken, ich bin ohne wenn und aber einfach allein die 45 Minuten nach Hause gelaufen. Ich konnte lange alle Gedanken und Gefühle von mir fern halten, die mir sonst gesagt hätten, dass ich diese Menschen doch wirklich gebraucht hatte. Ohne sie wäre es noch viel komischer gewesen. Und auch wenn ich jetzt in den letzten Wochen dem einfachsten Schema verfallen bin mit anderen Deutschen schnell Gruppenarbeiten zu erledigen, anstatt die schwierige Variante zu wählen mit 5 verschiedenen Nationen auf einen Nenner zu kommen -Ich kann all anderen nicht einfach ausblenden.

Was mir das alles so klar und deutlich macht, ist die Tatsache, dass wir heute den ersten Abschied gefeiert haben. Eine sehr aufgedrehte, verrückte Frau, die kontroverser nicht seinen könnte, fern der Konventionen lebt und auch noch “Teacher Education” studiert. Das heißt die wird in etwa Lehrerin -für Problemfälle wie man es im Deutschen gerne ausdrückt. Sie wird morgen in ihren Flieger steigen. Zurück in ihre Heimat gehen.

Ich war einer der letzten, die gegangen war. Letztendlich war ich wohl fast die letzte von der sie sich verabschiedet hat. Das hat die ganze Situation nur noch mehr aufgeladen. Aber es hat mir umso mehr klar gemacht, dass ich diese besonderen Menschen genauso vermissen werde und immer positiv zurückblicken werde. Auf die Zeit hier, das Leben, das sich eigentlich nicht allzu groß von dem in Deutschland unterscheidet. Den Unterschied machen aber die Menschen, die man trifft. Sie zeigten mir ihre Kultur, sie erzählten mir von ihren Ansichten und brachten mir so viele Lebensweisen und Bräuche bei.

Wie dem auch sei, ich denke nicht, dass ich verblendet zurück gehen werde. Aber ich werde genauso wenig einem sachlichen und nüchternen Blick zurückwerfen und mir nichts anmerken lassen. Dass das eh nicht funktioniert, habe ich schon zu Beginn des Sommers gemerkt, als ich Mittweida verließ und noch mehr als ich Bielefeld hinter mir lassen musste.

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