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18/08/2011 / Raika

7 Tage Nerd-Camp und kein Entkommen

Das Camp war großartig.

Gleich zu Anfang muss ich eins zugeben: Das Chaos Communication Camp war der totale Kulturschock für mich. Anders kann ich das nicht beschreiben. Und anders lässt sich das auch nicht benennen. Es war so ganz anders, als man eine Vorstellung in seinem Vorurteileregal hat verschwinden lassen. Immer wird gesagt, die Nerds & Geeks haben haben meist Probleme sich sozial zu verhalten und zu integrieren. Hallo, habt ihr euch mal versucht bei denen zu integrieren? Wisst ihr wie schwer das anders herum ist?

Es ist das komplette Gegenteil. Die Menschen wollen ihr Wissen teilen -mit allen, die sich für dieses Thema interessieren. Klar das passiert mal mehr und mal weniger gut -aber wenn man wirklich will, dann versteht man auch was gemeint ist. Seid mal ein bisschen toleranter und stellt euch nicht so an.

Die Nerds & Geeks geben dir alles was du brauchst, wenn du danach fragst und auch dann wenn du danach nicht fragst. Solang sie selbst die Ressourcen haben ist alles möglich. Sie können dich zum Mond bringen, wenn du das so willst. Und neuerdings versuchen sie dich auf den Mond zu bringen. Seit diesem Jahr ist das große Projekt eigene Weltall-Missionen zu fliegen -unabhängig von ESA, NASA oder was auch immer. Sie haben das Now-How und sie haben den Willen. Sie haben schon angefangen.

Das tolle ist, du gehst durch sie Straßen der Zelt-Stadt und gehst einfach in genau das eine Zelt rein, was dir auf den ersten Blick sympathisch vor kam. Da können alte Spielkonsolen an noch älteren Fernsehern angeschlossen sein. Es können sich ganz viele Plätze mit Lötkolben befinden -und wenn du nur fragst, erklärt dir jeder wie du damit umgehst und noch viel mehr darüber hinaus. Sie erzählen dir ihre Visionen, sie spinnen deine Mini-LED-Installation weiter (die du gerade mit größter Mühe und Not zusammen gelötet hast und jetzt stolz drauf blickst) und beschreiben, wie du in wenigen Schritten daraus etwas noch größeres und noch tolleres basteln kannst.

Du gehst durch die Straßen der Zelt-Stadt und bekommst kleine Obstschalen. Du siehst ein Zelt mit alten Arcade-Automaten. Du läufst da durch und siehst Hacker mit einer Softeismaschine. Und plötzlich steht vor dir ein Pool.

Auf einmal wird es Nacht, der ganze Flugplatz zeigt nach und nach warum es die perfekte Location ist. Es dröhnt von allen Ecken alle möglichen Arten von Technomusik. Das Village kocht zusammen und isst gemeinsam bevor sich alle in kleinere Grüppchen verstreuen und in die Nacht ziehen. Den Blinkenlichten entgegen. Noch schnell mit dem Badget die Farbkonstellation manipuliert und den Nachbarn über das Camp-eigene Telefonnetz eine Nachricht zukommen lassen. Rein in diese verrückte Zauberwelt die sich in nicht mal zwei Stunden aufgebaut hat. Farbige Leuchtröhren, Diskokugeln in den Bäumen. Alte Flugzeuge mit Strick und blinkenden LEDs verziert, merkwürdig angezogene Schaufensterpuppen und überall dieser Nebel aus vielen Nebelmaschinen. Du gehst in den Wald und siehst tanzende Bäume. Irgendwo im Hintergrund surrt noch die letzte fliegende Drohne für diesen Tag.

Aber es ist ja nicht nur das Camp an sich. Es sind auch die Vorträge, Workshops und Diskussionen, welche es erst richtig wertvoll machen. Vom Stricken über Bookcrossing bis hin zum Meshup-Workshop gibt es wirklich alles. Genauso wie es die krassesten Visionen von Dingen, die das Leben einfacher machen sollen. Von so extrem vielversprechenden neuen Nachrichtenformaten, die so krass sind, dass die Macher zwar eine sehr genaue Vorstellung haben, aber noch nicht die Möglichkeit es selbst umzusetzen. Zwei Österreichische Studenten haben sich echt brilliert und auf diesem Camp genau die richtigen Leute angesprochen. Natürlich waren da auch Diskussionen, die scheinbar völlig haltlos sind. Ein Verfechter der Post-Privacy wirft steile Thesen in den Raum, will positive Argumente anbringen und scheitert daran, dass er nicht gut vorbereitet ist. Denn selbst wenn man ansagt, es geht um die Positiven Seiten der „Kopf-Gleichschaltung“, muss man einfach auch auf Gegenargumente gefasst sein und akzeptieren, dass ein Gedanke nicht der beste war. Die Leute können gut diskutieren und wissen zuzuhören, ohne auf Nebensächlichkeiten wie eine laute Stimme großen Wert zu legen. Denn eine laute, aufdringliche Stimme kann keine Diskussionen gewinnen,

Genauso ist es aber auch faszinierend was neben her alles passiert. Von Raketen über eine Eierkuchenmaschine bis hin zur Web-Application „Wer-küsst-wen“. Du bekommst zum Eintritt einen kleinen Mikrocontroller (die „r0cket“), den du erst fertig zusammenbauen musst. Der alles kann, sogar Nachrichten verschicken, über ein nochmal anderes Netz als den dreien, die man schon kannte. Überall liegen Stromkabel, Ethernetkabel, Switche und überall hast du WLAN.

Dabei ist alles überschattet von dem Gefühl auch wirklich alles schaffen zu können.

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