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08/08/2011 / Raika

Das Biotop der Berliner Blogszene

Letztens wurde mir mal wieder so ein Denkanstoß geliefert über die Blogszene -worüber ich bisher noch nicht genau nachdachte. Denn die Berliner Blogszene ist ein einziges Biotop in der großen Gemeinschaft der Hauptstadt. Einer Kollegin fiel nämlich auf, dass die meisten erfolgreichen Blogger aus Berlin sind. Man kennt sich untereinander und irgendwie fehlt ihnen der Blick über den Tellerrand hinaus. Sich das große Gesamtbild der Szene auch mal kritisch anzusehen und den eigenen Stand zu reflektieren. Denn von Außen gesehen sieht es von manchen Stellen betrachtet aus wie ein exklusiver Club, den man sich mal ansehen darf. Aber der Weg den man beschreiten muss um aufgenommen zu werden, der ist schwer und die eine oder andere Prüfung muss erst einmal bestanden werden.

Irgendwie war es ja wieder klar, dass sich die meisten Menschen die ein eigenes Blog führen sich in Berlin ansammeln. Gegenseitig gehyped kommen sie auch zu immer mehr Zugriffen auf das eigene Blog. Es sammeln sich immer mehr Zitate und Links an, mit wiederkehrenden Blogs. Man feiert sich selbst, seine Jugend und seine Bekanntheit, die man über solch neue Möglichkeiten -wie das Internet sie bietet- bekommt. Man bekommt Gästelistenplätze, man darf Mode verschenken, man wird auf Festivals eingeladen. Man feiert sich selbst und die Blogger-Freunde noch mehr. Lebt als Hipster die Ironie des Hipster seins, macht sich über sie lustig, aber spiegelt genau dieses Bild eben selbst wider.

Ist man drin übernimmt man den Sprachgebrauch, wie man es bei einem neuen Freundeskreis macht. Man spricht auf einmal in Märchen und alles hört sich so unwirklich an. Obwohl es doch passiert sein kann, ist die Umschreibung dessen immer ein bisschen fabelhafter, süßer und unglaubwürdiger.

Trotzdem -man ließt es gerne, wäre gern dabei gewesen. Und wisst ihr was das kuriose an der ganzen Sache ist? Ein Freund von mir brachte das so schön auf den Punkt: Das sind manchmal keine so außergewöhnlichen Menschen. Sie machen genauso langweilige Jobs, sie haben eine Familie, die sie für langweilige Feste alle paar Monate besuchen. Das einzige was ihr Leben so scheinbar aufregend und außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, dass sie gut schreiben können. Dass sie immer die richtigen Worte wissen, um diesen einen Moment, zu beschreiben. Den sie vielleicht hatten -und dann kann man solche Momente lang und breit ausschlachten, ohne langweilig zu klingen.

Wenn man sich in der allgemeinen Blogszene umschaut bekommt man schnell den Eindruck, dass der gemeine Blogger aus Berlin kommt, zwischen 20 und 27 Jahre alt ist, in einer Werbeagentur arbeitet, als Hobby gerne Fotografiert und außerdem viel reist.

Gute Fotos kann eigentlich jeder machen, der eine gute Kamera besitzt. Aber hey, der arbeitet ja in einer Werbeagentur, hart umkämpftes Jobangebot. Man hört von gescheiterten Versuchen, kennt aber niemanden persönlich, dem es wirklich so erging. Man muss ein überzeugendes Portfolio vorweisen und sich vor allem selbst verkaufen können. Wenn man aber überzeugt von dem ist, was man macht und für das steht, kann sich jeder gut verkaufen. Das ist meine Sicht. Das klingt aber genauso wie jede Bauernweisheit. Man ist auch nur neidisch auf das viele Reisen und das ständige Unterwegs sein, weil man es sich wahrscheinlich im Moment selbst nicht leisten kann. Und wenn schon, von einer Freundin habe ich gerade erst gelernt, dass ich die meisten Dinge auch in einem Jahr noch erleben kann. Dass ich nichts verpasse, wenn ich auf dieser einen Party nicht bis zum Ende bleiben kann. Und wenn doch, bin ich bei der nächsten das Highlight das passiert, wenn eigentlich alle schon zu Hause sind.

Es fällt auch mir schwer diese neue Lektion umzusetzen oder auch nur zu glauben. Denn ich will jetzt leben, nur wenn ich mir das Festival eben nicht leisten kann, geh ich zu meiner Nachbarin rüber und verbringe mit ihr einen lustigen Abend. Vielleicht passieren keine verrückten Dinge, es werden nicht plötzlich 100 Leute die Wohnung stürmen und die Party des Jahres veranstalten. Trotzdem kann ich meinen Spaß haben. Und das muss ich lernen. Ihr vielleicht auch.

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